Im März 2026 geriet die Fassade eines Hauses in Bremen, die unter normalen Umständen kaum überregionales Interesse auf sich gezogen hätte, in die öffentliche Diskussion. Eine im dortigen Erdgeschoss situierte kleine inhabergeführte Buchhandlung leistet seit mehreren Jahren respektable Arbeit und wurde für ihr Programm zwischen 2016 und 2023 mehrfach mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet. 2026 hätte erneute eine Auszeichnung folgen sollen, der Juryentscheid wurde jedoch hier wie in zwei weiteren Fällen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer persönlich kassiert – ein Vorgehen, das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als „äußerst fragwürdig“ kritisiert wurde. Die inhaltlich unzureichende Begründung für einen derart schwerwiegenden Eingriff lieferte der Kulturstaatsminister lediglich in einem Interview: „Meine Position dazu ist klar: keine Steuergelder für Extremisten“, gab er der Funke Mediengruppe zu Protokoll, und weiter: „Wenn sich eine Institution weithin sichtbar hinter die Losung ‚Deutschland verrecke‘ stellt, stellen sich zur Preiswürdigkeit Fragen. Und wenn der Verfassungsschutz dann Hinweise zu einem potenziellen Preisträger hat, kann er aus meiner Sicht nicht preiswürdig sein.“ Es war demnach die mit dem zitierten Text beschriftete Fassade, die den argumentativen Rahmen für den Extremismusvorwurf und Anlass für die Nachforschungen mit bekanntgegebenen Ergebnis geliefert hatte, Fakten wurden nicht kommuniziert. […]
Der volle Beitrag über die Fassade des Golden Shop in Bremen und die Frage nach der Ehrlichkeit von Fassaden und Politik im Merkur, 80. Jg., November 2026, H. 930, S. 51-58.
